Seefahrer, Museumteam, Wählergruppe, Aktionskünstler, Chorsänger, Theatermacher, Piloten und Idioten und natürlich Freunde

Er war nach dem Zweiten Weltkrieg einer der ersten Flüchtlinge, die in Varel ankamen – und hat sich später in seiner neuen Heimat mit seiner ganz besonderen Art einen Platz in den Herzen vieler Menschen erobert. Willi Chmielewski aus Dangastermoor ist wenige Tage nach seinem 95. Geburtstag gestorben.

Willi Chmielewski war 15 Jahre alt, als er im Januar 1945 mit seinen Eltern vor den sowjetischen Truppen aus Masuren fliehen und den Bauernhof der Familie verlassen musste. Wie Millionen andere Flüchtlinge wagten sie den Weg über das zugefrorene Frische Haff. Nie hat Willi Chmielewski die unzähligen Toten vergessen. Zeitlebens war er dankbar, zu den Auserwählten zu gehören, die einen Weg gefunden und überstanden haben. Er ist sich sicher, dass ihm dabei Engel geholfen haben. Unzählige Engel hat er später geschnitzt, unter anderem einen Engel aus einem Stück Kiefer, das er von einem seiner zahlreichen Besuche in Masuren mitgebracht hatte. 

Im März 1945 kam er in Dangastermoor bei den Eltern seiner Schwägerin an und fühlte sich sofort heimisch: „Das Dorf, in dem die Gärten mit einem Lattenzaun zur Straße abgegrenzt waren, erinnert an Masuren, und auch die Bepflanzung und die Lebenseinstellung der Menschen“, schrieb er später in seinem Buch mit dem Titel „Von guten Mächten sanft behütet“. Darin hat er über die Flucht und die ersten Jahre in seiner neuen Heimat geschrieben. Der Flüchtlingsjunge wurde mit offenen Armen aufgenommen: „Es kam mir vor, dass in Dangastermoor bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Flüchtling eingetroffen war. Nun war ich Asylant, einer der ersten“, schrieb er. 

Willi Chmielewski fand Arbeit bei einem Bauern, empfand es aber als „sehr schmerzhaft und schicksalsschwer“, dass der Bauernsohn aus Ostpreußen nun in der Gesellschaft zu einem Knecht gesunken war. Er machte sich rasch selbstständig und arbeitete fortan als Klauenpfleger. Durch sein ganz besonderes Gespür für Tiere erlang er einen Ruf weit über Varel hinaus. Er fand in seinem Beruf Erfüllung und war glücklich, wenn er den Tieren helfen konnte. Durch harte Arbeit erarbeitete sich Willi Chmielewski in Dangastermoor ein eigenes Haus und schaffte sich später ein paar Kühe an. Er wurde heimisch, heiratete Ilse Warns und bekam drei Söhne.

 

Pa un MaEr führte ein selbstbestimmtes, naturverbundenes  Leben, scherte sich wenig um Konventionen – und wurde damit für viele Menschen zum Vorbild. 

 

IMG 3179von  Traute Börjes-Meinardus
Redaktion Varel


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